Begleite mich nun auf dem Weg zum roten Turm.
Wir wandern am unteren Löbdergraben, vorbei am Grandhotel Fürstenhof.
Erbaut wurde dieser wuchtige Viergeschosser mit Dachgauben als Hotel- und Bürogebäude in den Jahren 1910/11 nach den Plänen des Jenaer Maurermeisters Adolf Müller, dem in der Stadt ein gewisser Größenwahn nachgesagt wurde. Er nannte sich selbst "Das große M".
Was so hoffnungsfroh als Konkurrenz zu großen Häusern wie Schwarzer Bär, Nollendorfer Hof oder Sonne begann, endete in den ersten beiden Jahren des Weltkriegs.
Bereits Ende 1914 erlitt der Jenaer Fremdenverkehr erhebliche Einbußen, es überlebten nur die Traditionshotels - für ein Grand-Hotel nach Berliner Vorbild, wie von Adolf Müller angedacht, war kein Platz mehr.
So sah sich Müller gezwungen, im Februar 1920 sein Anwesen "Fürstenhof" zu veräußern.
Der einzige Bieter war die Stadt, die das Haus zum Preis von nur 400 000 Reichsmark erwarb.
Nun höre vom Roten Turm, Freund.
Gegen 1300 war die Jenaer Stadtbefestigung so weit gediehen, dass man von einer geschlossenen Anlage sprechen konnte. Sie bestand aus Gräben, Mauern, Zwingerbereichen, drei Tortürmen, vier Eckbastionen und zwölf nachträglich eingefügten Schalentürmen.
Eine dieser Eckbastionen war der heutige "Rote" Turm
Der "neue Thurm" oder "das Rundel" wie er bei Beier noch genannt wird, hatte keine Alleinstellungsmerkmale wie etwa der Anatomieturm oder der Pulverturm, welches beide echte Rundtürme sind.
Er war ein einfacher Schalenturm an der Südostecke der Stadtmauer und wurde um 1430 im Rahmen umfangreicher Baumaßnahmen an den Befestigungsanlagen zur offenen Geschützbastion mit Schießscharten und Geschützkammern umgebaut.
Ein Schalenturm ist ein steinerner Wehrturm in einer äußeren Mauer, der auf der Rückseite offen oder dort in einer leichten Bauweise ausgeführt ist.
Nach der Niederlegung großer Teile der Stadtbefestigung Anfang des 19. Jahrhunderts, blieb nur noch der Sockel im früheren Zustand erhalten.
Zwischen 1865 und 1874 wurde dieser Natursteinsockel mit rotem Sichtmauerwerk überbaut.
Es entstand ein vierstöckiger Mauerwerksbau zu Wohnzwecken mit Holzbalkendecken und inneren Fachwerkmauern.
Die Basis des etwa 19 Meter hohen Turmes liegt etwa circa 3 Meter unter die heutige Erdoberfläche, da die Stadtgräben im 19 Jahrhundert aufgefüllt wurden.
Er erreicht einen Durchmesser von etwas mehr als zwölf Metern.
Von dieser süd-östlichen Ecke der Stadtbefestigung, erkennst du gerade aus die Posthalterei Kneisel in der Fischergasse.
Eine Posthalterei stellte der Post aus privater Hand Kutschen und Pferde zum Wechsel zur Verfügung und übernahm auch die Auslieferung der Post.
Wenn dein jetzt Blick nach Links schweift, blickst du zum oberen Löbdergraben und siehst das Pfeiffersche Institut.
Das Institut war seit 1841 eine Privatschule mit Internat für Knaben, später Gymnasium und nach Gründung des Carolo-Alexandrinum Gymnasiums in der Schillerstraße, blieb das Gebäude bis 1908 eine lateinlose Realschule.
Abgerissen wird es erst 150 Jahre nach dem Bau, im Jahre 1995.
Hinter dem Institut wird 1858, die Johann-Friedrichs-Schule, die Jenaer Volksschule, gegründet.
Das Gebäude bleibt bis 1890 erhalten und wird dann dem heute bekannten Schulneubau weichen.
Die damalige Paradiesschule, ist heute nach dem Pädagogen und Gründer der Schule, Karl Volkmar Stoy benannt.
Jetzt Wanderer kommst du in die Grietgasse...





















