
Froher Wandersmann, vorab ein paar Worte zum Anlasse passend.
Anhand der hier dargebrachten Karten und Kartenausschnitte, von etwa 1760, 1800 und 1900, kannst du die Partie, die Adrian Beier beschreibt und die du begehen magst, gut erkennen.
Du kannst natürlich nicht erwarten den Weg ebenso aufzufinden wie im Jahre 1681, aber hier mühe ich mich, mit den Fotos, Bildern und Karten ein kleines Fenster zur Vergangenheit unserer Stadt zu öffnen.
Wohl sehr viel Wissen versuche ich dir auf deinen Weg mitzugeben, an dir ist es, dein Plesier daraus zu ziehen.
So wohl an Wandersmann oder Fremder!
Lerne es kennen mein "Athenae ad Salam" (Athen an der Saale)
Dein Weg begleitet die wilde Leutra fast die ganze Strecke von der Mündung bis kurz vor einer der Quellen an der Lutherkanzel.
Die Lutherkanzel hat ihren Namen nicht von Martin Luther sondern vom altdeutschen Namen der Leutra,
der wohl lutaraha war.
Der Wortteil Lutar oder Lutter bedeutet lauter, sauber oder klar und aha steht für Wasserlauf oder Fluss und lutaraha manchmal auch liutara oder liutrara, bedeutet etwa klarer, sauberer Wasserlauf.
Als Leutraquellen benannte man ursprünglich drei Quellen im Mühltal, aber nur noch eine (Nasenborn) lässt sich genau lokalisieren.
Von der wilden Leutra wurden einst sechs Mühlen angetrieben.
Das waren, von der Quelle am Nasenborn ausgehend, die Papiermühle oder Nasenmühle, die Schleifmühle (Sch)* auch Kexmühle genannt, die Paraschkenmühle, die Kupfermühle(K)*, die Weidigsmühle und die Nau- oder Neumühle auch Schrötersmühle genannt.
*Die Schleifmühle und die Kupfermühle, sind in der sogenannten "thüringer Sündflut" am 29.Mai 1613 untergegangen und nicht wieder aufgebaut worden.
An der Neumühle wurde der wilden Leutra durch ein Wehr ein linker Arm abgezweigt.
Die Plumpmühle genannt die Ölmühle und die Ziegelmühle auch Gerhardsmühle genannt, wurden getrieben von diesem linken Arm der sich weiter durch das Johannistor zur Jüdenmühle, die Leutergasse hinunter, vorbei an der Kirche, auf die Marktmühle, in die Saalgasse und aus derselben in den Mühlbach (Lache) ergoss.
Der rechte, wilde Arm wand sich zum Leuter oder Lotterborn (Luthersbrunnen) neben der Ziegelhütte und unter dem Kreuzbrücklein (Engelsbrücke) durch, hin zur Saale.
Dein Rückweg in die Stadt führt dich, Wanderer, über die Straße aus Richtung Weimar kommend, bis zum Erfurter Tor am Eingang der Wagnergasse.
Von dort geh den Steiger in Richtung Apolda hinauf und am alten Gottesacker (Johannisfriedhof) vorbei, führt dich der Weg zum oberen Philosophenweg.
Diesen entlang kommst du zum Kritzegraben, an dessen unterem Ende die Alte Ziegelei lag.
Über die St.Jakob Straße gelangst du zur Stelle, an der einst die Spitalkirche St.Jakob am Spittelplatz stand.
Zurück in Richtung Stadtzentrum erreichst du das Zwätzener Tor, gehst in die Zwätzengasse, durch die Gasse am Ballhaus bis zum Schwarzen Bären.
Den Löbdergraben entlang wandere zum Kupferhütchen in den Steinweg hinein. Dort folge der Frauengasse bis an den Eisenbahndamm und biege in den Rähmen ein.
Wieder auf dem Löbdergraben laufe um den roten Turm und geh die Grietgasse entlang bis zum Holzmarkt.
Dort endet dein Spaziergang um die ehemalige fürstliche Residenzstadt Jena mit all ihren Vorstädten.
Höre Wandersman! Noch ein Wort zu den Namen und Bezeichnungen der Straßen, Plätze, Flüsse, Bäche, Berge und Höhen.
Über die Zeit veränderten sich die durch mündliche Überlieferungen oder den gesellschaftlichen Wandel die Aussprache der Namen mal mehr oder weniger.
Es gab auch keine Regeln der Schreibkunst, geschrieben wurde, wie man es hörte, konnte oder man Lust hatte.
So kannst du in den Aufzeichnungen und Karten gar vielfältige Namen für ein und das selbe Gebäude oder den selben Ort finden.
Genannt sei hier das Löbdertor als Beispiel.
Es existieren Namen wie Lobder Thor, Lobeder Thor, Löber Thor oder sogar Löwer Thor.
All dies ist in Ordnung und richtig und soll dir keinen Verdruss in deiner Suche nach der Vergangenheit bringen.
So und nun genieße den Weg und höre die Klänge des alten Jena und freue dich des Lebens.
Athenae ad Salam Idibus Maiis MMXXV







