Gott zum Gruße Wanderer, du bist nun am ältesten Gasthaus der Stadt angekommen.
"Jetzt sei der 'Bär' von mir genannt, als 'Luther-Haus' berühmt, bekannt.
Das hier der Wein auch stets ein guter, das fand schon Dr. Martin Luther"
aus "Bierreise durch Jena" von 1872
Im Jahre 1492 wurde der Grundstein für das Gasthaus gelegt und im Jahre 1498 wurde der "schwarze Baer" von Nicolaus Börner eröffnet.
Das Gasthaus hat den Bauernkrieg, den 30-jährigen Krieg, die napoleonischen Kriege und beide Weltkriege unbeschadet überstanden.
Die erste größere Bauliche Veränderung erfuhr die Ansicht des Hotels, als im Jahre 1900, das an den Bären grenzende Wohnhaus von Professor Scheffler abgerissen wurde um die Durchfahrt der Straßenbahn in die Saalbahnhofstraße zu ermöglichen.
Alle Persönlichkeiten aufzuzählen die den "Bären" beehrten, überstiege hier deine Geduld Wandersmann, aber ein paar zu nennen ginge.
Die wohl bekanntesten Besuche, sind wohl die von Martin Luther aber auch der Gründer unserer Universität, Kurfürst Johann Friedrich der Großmütige und Johann Wolfgang von Goethe waren hier zu Gast. Eine der bedeutenderen Persönlichkeiten, die auch im Bären logierten, war der ehemalige Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck. Er besuchte Jena auf Einladung von Ernst Haeckel am 30. Juli 1892.
Einige Gebäude oder Plätze erinnern noch an den hohen Besuch, wie der Bismarckbrunnen am Markt und der Bismarckturm auf dem Tatzend.
Die Fotos zeigen ihn allein und mit seiner Frau Johanna am Fenster des heutigen Bismarckzimmers.
Übrigens Wanderer, bei der am 12. September 1731 durch "Marktamtsverordnete" in den Schankstätten der Stadt durchgeführte Visitation der Trinkgefäße, wurden auch im "Bären" eine ganze Menge für falsch befunden.
Der Wirt des Bären, Balthasar Adler, musste ebenso wie die Wirtin der Paraschkenmühle und 11 andere auch, vor dem Stadtsyndicus in der Ratsstube erscheinen.
Der Vorplatz vor dem "schwarzen Bär" heißt Lutherplatz und war bis in die 60'er Jahre des letzten Jahrhunderts in anderer Gestaltung zu sehen.
Die auf der Ostseite befindliche Häuserzeile wurde auf Grund der steigenden Verkehrsanforderungen abgerissen und der Fürstengraben, damals Goetheallee, durchgehend mit dem Anger verbunden.
Ein geschichtsträchtiger Ort verschwand damit.
Das Karl Liebknecht Haus, ehemaliger Sitz der KPD wurde gleich mehrfach zum Brennpunkt in Jena. Während des Kapp Putsches 1920 besetzten Freikorpsverbände hier den KPD Sitz im Liebknecht Haus und die Neue Jenaer Zeitung. Auch am 17. Juni 1953 standen bewaffnete Truppen vor dem Haus. Diesmal Angehörige der Kasernierten Volkspolizei. Welche staatliche Stelle hier geschützt wurde kann man sicher erahnen, schließlich grenzte die Rückseite der Gebäude an das Gelände der späteren Gerbergasse 18.
Also Freund, da du dich nun schon einmal hier niedergelassen hast und so lange Geduld mit mir hattest, will ich die Stunde nutzen und dir vom Jenaer Stadtschloss auf der anderen Straßenseite berichten, durch dessen Portal du im letzten Bild auf den "Bären" blickst...




















