Stadtspaziergang

Beschrieben von Adrian Beier im Architectus Jenensis 1681

"Den Umfang der Stadt Jena nach den Mauren / dreyen Thoren und einer Pforten / kan einer in einer guten halben Stunde: Aber nach den vier Vorstädten / kaum in zwey Stunden umgehen.

Wer solchen Spaziergang wil zur Lust vor sich nehmen der gehe durch das Lobderthor / nach der Neugasse. Also durch das neue Thor / begebe sich nach dem Leuterbach hinan zum Lotter- oder Leuterborn / von dannen nach den Oehl- und Walck- Mehl- und Pappier-Mühlen auf die Landstrassen / herein zu dem unlängst (A.C. 1668 den 29. Junii) abgebrochenen Gemäuer des Effurtischen Thurms / auff die lincke Seiten hinan zu dem Critzgraben / nach dem Campo Philosophico, unn dem Siech-Spittel / zu S.Jacob / von dannen durch das Zwetzener-Thor hinter dem Gasthof zum schwarzen Beeren / nach dem

S.Niclas-Brüder- und Studenten Spittel / über die kleine Saalbrücken / auff die lincke Hand nach den Gerbers-Häusern und Wiesen-Grund der Insul:

Umgehe dieselbige nach dem rechte Arm des Saalstrohms heran zu ihrem Wehr und Land-Veste / die Frauen-Gassen hinein auf den Stein-Weg / bey der Badstube / Weiber-Spittel und neuen Schlachthause gegen die Krietgassen nach den Paradiß-Wiesen / auf den neuen Bau / durch das neue Thor herein.

Diß wird ein lustiger Spatziergang seyn um die gantze Stadt Jena / und um ihre vier Vorstädte / auf zwey gute Stunden / so das Wetter gut ist / früh oder gegen Abend / im Frühling / Sommer und Herbst.

Da wird er hören die Vögel singen / da wird er beyde Arm des Saalstrohms sehen fliessen /

und darinnen die Fische schwimmen / und offt springen / da wird er seine Augen weiden an den hohen Bergen / an den tieffen Thälern / an den grünen Wiesen / an den luftigen Weidichten / an den wohlbestellten Feldern /

an den schönen Wein- Obst- und Kraut-Gärten." [sic]