Wenn du bis hier durchgehalten hast, kann ich dich nicht mehr Fremder nennen.
Du scheinst ein Freund Jena's geworden.
Also Freund, wenn du aus der Saalgasse durch das Saaltor trittst, liegt vor dir Hodelsdorf.
Hier auf der Insel vor dem Saaltor bildete sich zwischem dem 11. Und 13. Jahrhundert ein Dorf welches in alten Amts-, Kloster- und Rats- Urkunden "Schotelsdorff uff dem Sande" genannt wurde.
Die Lache wurde das erste Mal 1320 erwähnt und könnte im 13.Jahrhundert künstlich angelegt worden sein, zumindest ist sie zu der Zeit als künslicher Nebenarm der Saale ausgeweitet worden. Im Geschoßbuch von 1406 wurden an der Lache schon 13 Gerberhäuser erwähnt.
Gegen über des Saaltors, an der Brücke über diese Lache stand seit Urzeiten ein Haus mit wechselvoller Geschichte.
Mehrfach umgebaut, eingestürzt und wieder aufgebaut.
Schon 1320 als Badstube erwähnt, lebte zur Zeit Adrian Beiers, ein Bader namens Hans Kranich, welcher beim Schröpfen oder Aderlassen jedes Mal das gleiche, alberne, schale Witze enthaltende Gerede wiederholte, sodass man seit dem, von einem, der alberne Possen auf die Bahn brachte, sprichwörtlich sagte:
Er sei ein "Salbader". (von Saal-Bader)
Laut Beier wurde das Haus An.C.1590 „gegen dem Wasser oder Mühl Lache erneuert“ und es sei An.C.1665 eingestürzt. Es wurde wieder errichtet und ein Kupferschmied siedelte sich hier an.
Die Schmiede existierte bis zum Jahr 1850. In diesem Jahr kaufte Fritz Germar das Haus und eröffnete darin das Gasthaus Lachenbrücke.
Das Gasthaus war zu Beginn nicht wirklich eine gemütliche Kneipe, eher war es ein Getränkeausschank neben einem Kolonialwarenladen aber der Wirt machte von Zeit zu Zeit auf sich aufmerksam und holte sich hierdurch viel Kundschaft an seinen Schnaps-Tresen.
Im Jahre 1880 brachte er ganz Jena zum Lachen, als er die Bürgermeisterwahl öffentlich verulkte. 24 Kandidaten aus ganz Deutschland hatten sich um den, mit 4000 Mark Jahressalär sehr gut dotierten, Jenaer Posten beworben (durchschnittlich verdiente man etwa 550 Mark im Jahr). Germar-Fritze orderte eine sechsspännige Kutsche und fuhr, angetan mit Fechthandschuhen und einem Plakat einen ganzen Tag lang durch die Stadt. Auf seinem selbst geschaffenen Plakat stand:
"Da streiten sich die Völker, Ob Eucken oder Welker. Auch mancher schreit: was soll's, Ich wähle Meister Polz. Was wollt ihr euch erhitzen? Wählt mich, den Germar-Fritzen."
Nach der Albernheit, die in einem allgemeinen Besäufnis geendet haben soll, ließ sich Germar-Fritze mit diesem Plakat ablichten.
1884 starb der „Germar-Fritz“ ein Jenaer Original. Seine Nachkommen führten die Geschäfte weiter.
Als der Verkehr Mitte der 30 Jahre des 20 Jahrhunderts, immer mehr zunahm, plante der Stadtrat die Erweiterung des Steinweges.
Da die Lache den Plänen entgegen stand und es auch keine Gerber und Tuchmacher mehr in der Gerbergasse gab, beschloss man die komplette Trockenlegung.
Die Geschichte der Jenaer Mühlen an Leutra und Lache war damit beendet und auch „Klein Venedig“ wie diese Ecke Jenas genannt wurde, verschwand für immer.
Einer Begradigung der Fahrbahn stand auch das Gasthaus im Weg und musste 1938 ebenso weichen. Man gestattete, den Betrieb im Kolonialwarenladen, so lange aufrecht zu erhalten, bis der direkte Umzug des Ladens, in das nun dahinter entstehende Gebäude möglich wäre.
Der alte Name Kupferhütchen wurde beibehalten.






























