Wanderer, bevor du Bedauern hegst für den Verlust des Schlosses, sei dir gesagt: unser Schloss hatte nicht den Charm eines Rokokoschlosses zu Dornburg oder den Glanz des Schlosses derer von Schwarzburg-Rudolstadt.
Unser Schloss war schon zu Lebzeiten der Jenaer Regenten eher ein Zweckbau, denn ein Lustschloss.
Auf alten Kupferstichen wird das Schloss noch als malerische, mittelalterliche Wasserburg mit Türmen und verzierten Giebeln gezeigt.
Der älteste und genaueste Stich, von 1571, stammt von Johann Mellinger.
Dieses ursprüngliche Schloss hat die Zeiten leider nicht überdauert und ich möchte hier ein bisschen zur Erhellung der Geschichte beitragen.
Wann das Schloss erbaut wurde, ist nicht überliefert.
Erwähnt wurde es das erste Mal 1446 als Herzog Wilhelm III. von Sachsen hier die Tochter des Kaisers Albrecht II., Anna von Österreich heiratete.
Fast 3000 Pferde mussten in Jena untergebracht werden und das bedeutet auch fast ebenso viele Edelleute, gar nicht zu reden von ihrem Gefolge.
Wo sonst hätten diese hohen Herrschaften denn eine Hochzeit feiern sollen als in einem Schloss?
Folglich muss das Schloss zu dieser Zeit schon bestanden haben.
Und tatsächlich deuten architektonische Merkmale an den ältesten Teilen des Schlosses auf eine Erbauung in der Mitte des 14. Jahrhunderts hin.
Ähnliche Merkmale fand man auch am Rathaus und am Johannistor und nach den alten Abbildungen zu urteilen auch am Saal Tor und Erfurter Tor.
Der erste geschichtlich, gesicherte Umbau stammt aus dem Jahr 1570, der sogenannte „Wilhelmer-Bau“. Benannt nach seinem Erbauer Johann Wilhelm von Sachsen-Weimar. Er ließ den mittelalterlichen Westtrakt abreißen und errichtete ein "einfaches" herrschaftliches Wohngebäude.
Im Jahr 1620 wurden durch Herzog Johann Ernst zu Sachsen, die Hälfte des Schlosses abgerissen und neu erbaut.
Beim Bau benutzte man aber zu schwache Balken, deshalb wurde 1659 durch Herzog Willhelm IV. damit begonnen die zu schwachen Neuen und auch die restlichen, alten Gebäude, durch massive Schlossgebäude zu ersetzen.
Sein Sohn Herzog Bernhard von Sachsen-Jena ließ die Bauten vollenden, um ab 1672 mit seiner französischen Ehefrau Marie Charlotte de la Trémoille im Schloss zu residieren.
Das Schloss diente manchen Fürstensöhnen, die an der Universität studierten, als Wohnstätte.
Der letzte fürstliche Bewohner des Wilhelmer-Baus war Großherzog Carl Alexander in den 30’er Jahren des 19. Jahrhunderts.
Als Residenzwohngebäude der Landesherren wurde es schon seit 1806 nicht mehr benutzt.
Goethe der, wie sein Regent Carl August, hier im Haupthaus des Schlosses oft Quartier bezog, siedelte ab diesem Zeitpunkt in den botanischen Garten über. Grund dafür war, dass die Räume des Schlosses als Lazarett für verwundete Soldaten der Napoleonischen Kriege herhalten mussten und arg in Mitleidenschaft gezogen wurden.
Im 19. Jahrhundert nutzten einige Institute und Museen die Schlossräumlichkeiten als Lehr und Ausstellungsfläche. Im Schloss war auch eine Abteilung des 3. Füsilierbatallions des Thüringischen Infanterieregimentes Nr.94 als Wachabteilung stationiert.
Im Jahr 1905 musste das Schloss weichen um dem Universitätsneubau Platz zu schaffen.
Nun Wanderer, sieh es dir an, das Schloss. Alles, was geblieben ist sind Fotografien und Erinnerungen. Angesicht des Zustandes und äußerlicher Gestalt des Schlosses stellte sich die Frage, ob du es heute noch schön finden würdest wenn es überdauert hätte.
Aber nicht verzagen, auf geht’s zur nächsten Station unserer Reise…


































