Wenn wir nun in die Grietgasse einbiegen, kannst du zur linken Hand das Haus der ehemaligen Druckerei Anton Kämpfe sehen, über dessen Eingangstür immer noch das Zunftzeichen der Drucker prangt. Ein Greif.
Wirklich historisch interessante Gebäude gab es in diesem Teil der Grietgasse nicht.
Es gab ein Paar Gasthäuser eine Kohlehandlung, eine Darm- und Fellgroßhandlung und die Schülersche Höhere Töchterschule (heute VHS).
Interessanter wird es erst ab der Kreuzung Neugasse - Holzmarkt zum Engelplatz hin.
Hier stand einst am Rand der Löbdervorstadt, das Karmeliterkloster „Zum Heiligen Kreuz“.
Gegründet wurde es im Jahr 1382, als die Karmeliten, ein Bettelorden, der sich im 12. Jahrhundert im Heiligen Land formierte und später in ganz Europa verbreitete, in Jena Fuß fassten.
Das Kloster selbst wurden im Bauernkrieg 1524, von Aufständischen gebrandschatzt und geplündert und die Reformationsbewegung vertrieb die verbliebenen vier Karmelitermönche 1529 aus Jena.
Während der Reformation beherbergten die Klostergebäude eine Druckerei, in welcher Lutherschriften aufgelegt wurden.
Im dreißigjährigen Krieg wurde das Kloster, 1642 bis "uff die weite und breyte steinerne Küchen" abgerissen.
In der Jenaer Chronik ist dazu zu lesen:
„12. April hat Mathaeus von Moncado, Commendant in Jena viel Heuser v. scheunen In den Vorstädten niederreißen, und aus den Balken palisaten vor die Stadtmauern machen lassen; auch nicht verschonet des Closters zum H. Creutze und dabei erbaueten Kalkhütten sondern dieselben am 3. Oster Feier Tage einreissen lassen. […]"
Auf den Resten dieses alten Klosters, entstand ein Gasthaus von dem, Adrian Beier im "Architectus Jenensis" schreibt: "1669. uff der stete des abgegangenen Carmeliter-Hoffs, und zum erstenmahl den 1. Sept. verpachtet worden Hansen Debnern, sonst Strumpff Hansen genandt ... darff Wein und Bier einlegen vor die Gäste, aber nichts auf die Gasse verkäuffen."
Wenig später erhielt das Haus seinen Namen "Zum Goldenen Engel", nach dem aufgemalten Hauszeichen, vermutlich an der Westfront.
Wie das Bild aussah und wann es verschwand, ist unbekannt.
Nach dem Gasthaus wurde 1862 auch der Platz in Engelplatz umbenannt.
Der Platz hieß zu Beiers Zeiten erst Bettelplatz und dann "hinter der Druckerey und neuen Gasthofe" Bettelplatz hieß der Platz vormals, weil im Jahre 1637 und 1641 "viel arme Leute, sonderlich aus dem Franckenlande" kommend auf dem Hof des verlassenen Klosters versammelt wurden und nach Gebeten Almosen empfingen.
Hinter dem Golden Engel wurde 1872 das erste feste Theatergebäude in Jena gebaut.
Gestiftet wurde es von Kommerzienrat Carl Köhler (Besitzer der Rosenbrauerei und des Gasthofs »Zum Goldenen Engel« in Jena).
Am 14. Oktober 1872 wurde der schlichte Fachwerkbau mit offenem Dachstuhl und einer Fassade mit Balkon, der immerhin über 800 Plätze verfügte eröffnet.
1886 ließ Köhler sein Gartentheater umbauen und erweitern.
Die Fachwerkfassade wurde ummantelt und wesentlich repräsentativer gestaltet.
Außerdem wurde die Platzkapazität durch den Einbau eines Balkons um 180 Plätze erhöht. Allerdings gelang es Köhler nicht, die Investitionssumme für den Umbau durch die Pachteinnahmen seines Theaters zu refinanzieren, so dass er sich gezwungen sah, sein Theater und den Gasthof »Zum Goldenen Engel« zu verkaufen.
1900 erwarb die Stadt das Gelände mit Theater und Gasthof.
Im Jahr 1915 plante der Architekt Theodor Fischer (Universitätsneubau) im Auftrag der Stadt einen Neubau eines Stadttheaters, welcher aber nie zur Ausführung kommen sollte da man sich nicht auf einen Standort einigen konnte.
Im Herbst 1921 wurde das Theatergebäude saniert und im Bauhausstil von Walter Gropius umgestaltet.
1948 erwarb der Hamburger Privatmann John Biermann das Theater und begann mit einem sehr ambitionierten Umbauplan. Die Hälfte der Umbauten wurden allerdings nicht mehr ausgeführt da Biermann 1949 Pleite war.
Erst 1956 wurden die, allerdings nur zum Betrieb absolut notwendigen, Sanierungsarbeiten abgeschlossen, der Rest verblieb bis zum Abriss 1987 in einem provisorischem Zustand.
Der Engelplatz wurde auch für die Errichtung des Kaiserlichen Hauptpostamtes ausgewählt, das 1900 an der Stelle des abgebrochenen Schömannschen Hauses entstand.
Mitten auf dem Engelplatz vor dem Hauptpostamt befand sich bis 1964 die sogenannte Kunstinsel. Sie fiel leider der geplanten, sozialistischen Neugestaltung der Innenstadt zum Opfer, welche aber, Gott sei es gedankt, nicht in diesem Umfang umgesetzt wurde.
So nun auf Wandersmann! Auch das letzte Stück zum Holzmarkt wirst du schaffen, mein Freund.












































