Jetzt Wandersmann ist Imagination verlanget.
Fast nichts von dem was du hier lesest ist noch in Stein vorhanden.
So glaube die Geschichten, sie sind wahr.
Das einstige Erfurter Tor begrenzte die Johannisvorstadt am Ende der Wagnergasse.
Vor dem Tor lag laut neuester Forschung wohl noch das Dorf Leutra welches um die Abzweigung des künstlichen Arms der Leutra an der Naumühle entstand.
"Das Erfurtische Thor lag noch unlängst vor dem Johannesthore gegen West und Nord, im Eingang der Ober- oder Wagnergasse, uf der Landstrasse nach Weymar, und von dannen nach Erffurt, ist aber A.C.1668, den 27. Martii gesprengt, und die [...] Bausteine zum Ballhause ins Schloss von Fronbauren allmählich geführet worden." Adrian Beier 1681.
Zur Befestigungsanlage gehörte neben dem Tor auch der Erfurter Turm welcher auf alten Kupferstichen noch gut zu erkennen ist.
Der Turm diente der Lagerung von Pulver deshalb ist er "ganz frey gestanden, und (es) sind keine Wohnhäuser und Scheunen daran gebauet gewesen."
Er war viereckig und ziemlich hoch, das höchste Gebäude nach dem Turm der Michaeliskirche und hatte innen keine Treppen, nur eine eiserne Tür in sieben Meter Höhe, zu der niemand ohne eine lange, starke Leiter gelangen konnte. Ebenso schwer zugänglich war im übrigen der "runde oder keulichte Turm" (Pulverturm) welcher später zur Pulverlagerung genutzt wurde.
Der Kalk zur Erbauung des Turmes soll mit rotem Wein angemengt worden sein. Nicht aus Mangel an Wasser, die Leutra floss nur unweit davon, sondern weil zu der Zeit soviel Wein in Jena gewachsen war, dass man aus Fässermangel den Wein zur "Einweichung des Kalcks, und Aufbauung der Mauren, gebrauchet".
Laut Beier befand sich auf der Westseite des Turmes das Thüringer Wappen, ein stehender, bunter Löwe mit goldener Krone und an der Ostseite das Meißener Wappen, ein stehender schwarzer Löwe ohne Krone.
Auf Grund dieser beiden Wappen ging er davon aus das der Turm 1263 erbaut wurde, im Jahr als Thüringen und Meißen vereinigt wurden.
Der Turm und das Tor sind zur wohl zur gleichen Zeit gesprengt worden.
Unser Chronist Beier benennt allerdings zwei unterschiedliche Jahreszahlen für das Ereignis.
Im Kapitel über den Erfurter Turm nennt er den 23. Juni 1669 als Abrisstag und beschreibt, dass die Explosion "...früe Morgends vor vier Uhren angelegt und angezündet..." wurde.
Die Sprengung verlief wohl nicht ganz so planmäßig, denn der Turm und das Tor hielten sich noch eine viertel Stunde aufrecht und stürzten erst dann zusammen.
Das Torhaus am Ende der Wagnergasse bestand noch bis ins 19. Jahrhundert und wurde dann erst durch das Hotel Kaiserhof ersetzt.
Gegenüber musste das Haus Kanold dem Lyzeum, einer höheren Mädchenschule, weichen.
Heute trägt die Schule den Namen von Grete Unrein.
Sie war die älteste Tochter Ernst Abbes und die Frau des 1. Direktors eben dieses Lyzeums, Otto Unrein.
Die Johannisvorstadt selbst hat derwohl mehrere Namen geführt, im Geschoßbuch von 1406 etwa Krottdorff, was auf die Kräuter oder Krautgärten in der Vorstadt hinweist. Aus diesem Namen wird auch der Name Krautgasse (Krotgasse) abgeleitet.
Adrian Beier: "... Diese Johanns Vorstadt wird wohl ehemals genennet die Schweizer-Vorstadt, entweder, daß etzliche gebohrne Schweitzer darinnen gewohnet, oder daß ihre Einwohner den Schweizern in der Mann- und Wehrhaftigkeit nachgefolget. ..."
Das erklärt auch Namen wie vom Gasthaus "Zur Schweiz" und die Höhe über der "Schweiz" hat womöglich den Namen des Stadtteils bekommen?
Nun, das können wir nicht mit Bestimmtheit sagen.
Sicher ist, dass noch 1852, ein Bürger seinen, über schlecht leuchtende Gaslaternen in der Johannisvorstadt, klagenden Leserbrief, mit "Ein Schweizer" unterzeichnete.
Auf Wanderer, jetzt wird der Steig in Richtung Apolda erklommen.
Wenn du am alten Gottesacker, an der Friedenskirche bist, lass dich erinnern das sie nicht die einzige Kirche auf diesem Friedhof war.
Die kath. Pfarrkirche St. Johann Baptist, welche heute von der Wagnergasse leicht zu erreichen ist, war die ursprüngliche Gottesackerkirche. Sie stand einst allein auf weiter Flur und der Name der Johannisvorstadt, ist auf diese Kirche zurückzuführen.
Gedenke ruhig dem Alter der Kirche. Sie ist im 9. Jahrhundert erbaut und das älteste erhaltene Grabmal stammt aus dem Jahre 1382.
Als 1938 der Fürstengraben erweitert wurde und die Anbindung der Erfurter Straße an den Fürstengraben erfolgte, wurde die Johannis Kirche vom Friedhof abgetrennt. Alle alten Gräber die der Straße im Weg lagen wurden versetzt und der Johannisfriedhof in seiner heutigen Gestalt entstand.
Gehst du nun entlang des Weges der dich an der alten Irrenanstalt vorbeiführt, bist du bald auf dem Philosophenweg.
Hier flanierte manch berühmter Professor und gar viele Studenten.
Man genoss die Aussicht auf die Stadt und weilte dann im Griesbachschen Garten.
Dieser Garten wurde 1784 mit einem Gartenhaus, für den Theologen Johann Jacob Griesbach angelegt.
Nach Griesbachs Tod erwarb 1818, die königliche Hoheit, Großherzogin Maria Pawlowna (1786-1859), die Tochter des Zaren Paul I. das Anwesen, um es als Sommersitz für ihre Töchter Maria und Augusta zu nutzen.
Unter dem liebevollen Namen „Prinzessinnenschlösschen“ und „Prinzessinnengarten" wurden das Gartenhaus mit Garten zum idyllischen Rückzugsort für die jungen Prinzessinnen.
Goethe, der enge Verbindungen zum Weimarer Hof pflegte, kümmerte sich nicht nur um den Umbau des Hauses, sondern auch um die Erziehung der Prinzessinnen während ihrer Sommeraufenthalte.
Doch verweile nicht allzulang, es geht den Kritzegraben hinab bis zur Ziegelei...














