Oh Wanderfreund, du tapferer Gesell, endlich bist du angekommen. Am Ende vom „lustigen Spatziergang“, wie ihn Adrian Beier nannte. Der weite Weg hat dich erschöpft.

So lass dich nieder und höre zuletzt noch die Geschichte vom Holzmarkt.


Der Holzmarkt befand sich einst außerhalb der Stadtmauern vor dem Löbdertor. Erwähnt wurde ein Holzmarkt an dieser Stelle erstmals im Jahre 1502.

Bei Holzmärkten haben Bauern und Händler aus der Region Holzwaren und Brennmaterialien angeboten.

Der Standort vor dem Löbdertor war wegen der hier beginnenden Ausfallstraße nach Lobeda und der Nähe zur Saale sehr verkehrsgünstig gewesen.

Man hatte hier mit den Fuhrwerken und dem sperrigen Holzmaterial genügend Platz zu rangieren und Wendemöglichkeiten und musste nicht durch die engen Gassen Jenas zum Markt.

Die Saale hat eine besondere Rolle für den Holzmarkt gespielt.

Das heißt die einstige Flößerei auf der Saale, hatte für den Holzhandel schon seit dem 13. Jahrhundert große Bedeutung.

Der Fluss hat in früheren Jahrhunderten seinen Verlauf unter natürlichen Bedingungen mehrfach verändert und dürfte sich näher am Holzmarkt befunden haben. Im 18. Jahrhundert seien auch erste Begradigungen des Saaleverlaufs durch Menschenhand erfolgt.

So prägte sich, durch die Nutzung dieses Platzes vor den Toren der Stadt über Jahrhunderte, im Volksmund der Name Holzmarkt.

In Aufzeichnungen aus dem Jahr 1770 ist auch noch die Rede vom „Holzanger“, was auf einen Wiesencharakter hindeutet.

Als Anger wurde Grasland bezeichnet, das sich im Gemeindebesitz und oft auch in Nähe von Flussufern befindet.

Später ist der Name Holzmarkt offiziell geworden, was man unter anderem auch an der Bezeichnung „Am Holzmarkt“ erkennen kann oder auch, dass die Straße „Am Hirsch“, im Jahr 1886, dem Holzmarkt zugeschlagen worden ist.

Holzmärkte hat es auf diesem Platz wohl bis Ende des 19. Jahrhunderten gegeben.

Laut Jenaer Stadtgeschichte gab es nicht nur diesen Spezialmarkt für Holz, sondern auch Märkte für Esel, Schweine und Salz.

Aber auch einen Kohlenmarkt hat es seit 1712 gegeben, allerdings vor dem westlichen Stadttor, dem Johannistor.

Das Gesicht dieses Holzmarktes wurde im Laufe der Jahrhunderte immer wieder verändert. Goethe ließ 1812 das, ohne Nutzen herumstehende Löbdertor, durch den Baumeister Timler abreißen.

Die stärkste Veränderung erzwang aber der Krieg, mit der großflächigen Zerstörung weiter Teile der umliegenden Bebauung.

Wandersmann, du kannst dich mit den Bildern langsam durch die Geschichte des Marktes begeben, beginnend 1895 bis in die Mitte der 80 Jahre des 20. Jahrhunderts.

Du siehst die schönen Fassaden am Eingang zur Löbderstraße von denen nur das Bankhaus Sieber bis in die Mitte der 1950 Jahre, als Schuhgeschäft, durchhalten wird.

Den Blick in Richtung Neugasse, mit dem Hotel schwarzer Adler, dessen Besitzer 1957 wegen „Ausbeutung“ und „Schwarzmarkt Geschäften“ enteignet werden wird.

Sieh die Engel Drogerie, um 1900 erbaut, den Feuersturm überstanden und 1960 einer Straßenbegradigung weichen müssend.

Schau die großen, leeren Flächen, die so viele Jahre auf neues Leben warten mussten.

Am End wird es gut werden, in unserer Stadt. Es werden Häuser erbaut, vom Einen geschmäht und vom Andern geliebt.

Alte Erinnerungen gehen verloren und neue entstehen.

Die Meinungen schlagen Wogen und werden geglättet.

So war es immer und so wird es auf ewig sein, in unserem Athenae ad Salam.

Ich hoffe das Treibenlassen im Fluss der Geschichte, hat dich erfreut und begeistert und wir sehen uns vielleicht irgendwann zu einem neuen Spaziergang, welcher dann an die bekannten Plätze der Innenstadt führen könnte.

Die Namen, wie sie klingen! Johannisplatz, Johannisstraße, der Markt oder der Eichplatz… Wer weiß, wer weiß, wo wir uns wiedersehen.

So grüße ich dich also, der du Freund geworden und meine Heimatstadt gar ebenso liebst wie ich, mit dem Wunsch, den Jenaer Burschen und Studenten einst benutzten:

„Iena mea, vivat, crescat, floreat!“

"Mein Jena, lebe, wachse, gedeihe!"

Lebe wohl und auf ewig.

Ein Freund