Hier bist du also, am Spittelplatz.

Du kannst vielleicht erahnen, dass der umgangssprachliche Name „Spittel“, eigentlich für Hospital beziehungsweise Spital steht, was auf ein Haus hindeutet, in dem früher Hilfsbedürftige gepflegt wurden.

In der Tat befand sich seit 1416 das Jakobsspital in Jena, in dem sich Angehörige der St. Jakobs-Brüderschaft Kranke kümmerten.

Doch was hat dies mit einer Kirche zu tun?

Der frühere Jenaer Bürgermeister Nikolaus Theuerkauf war es, der im Jahr 1482 dem Jakobsspital eine Kirche stiftete, vor allem vor dem Hintergrund, dass den Kranken zwei Mal wöchentlich eine Messe gelesen werden sollte.

Später fand das Stadtoberhaupt selbst, in der Kapelle seine letzte Ruhestätte.

Während die Jahrhunderte vergingen, geriet das Haus zunehmend in einen immer schlechteren Zustand.

Zum Ende des 17. Jahrhunderts wurde ein Neubau beschlossen und am 10. Juni 1697 erfolgte die Weihe des neuen Gotteshauses.

Damals erhielt die Kapelle den Namen Christine-Juliane-Kirche, benannt nach der zweiten Ehefrau des Herzogs Johann Wilhelm von Sachsen-Eisenach.

Doch bürgerte sich dieser Namen bei den Jenensern nie ein, denn seit eh und je hieß das Gotteshaus Spittelkirche.

1892 wird die Kirche wie folgt beschrieben: Sie sei im Zwölfeck gebaut, „sehr dürftig, verwahrlost und klein“ und habe eine „Holzdecke und Rechteckfenster“. Alles in allem also ein eher schlichter und wohl in großen Teilen schmuckloser Bau. Die Kirche geriet nach der langen Zeit erneut in einen unschönen Zustand und schon bald schon wurde öffentlich über die Zukunft der Spittelkirche gestritten. Den Stein ins Rollen brachte Gustav Hering, seines Zeichens Gastwirt des „weißen Schwans“, der in der Saalbahnhofstraße 24 und damit in unmittelbarer Nähe der Kapelle lag.

In der öffentlichen Sitzung des Jenaer Stadtrates vom 26. Oktober 1905 wurde sein zuvor gestellter Antrag, die Kirche „niederzulegen“ und den Platz auf dem sie steht umzugestalten nun diskutiert.

Leidenschaftlich setzte sich der Kunsthistoriker und Leiter des Jenaer Stadtmuseums, Paul Weber, für den Erhalt ein.

Sein Hauptargument war damals, dass die Kirche „einen künstlerischen Abschluss des Straßenbildes, einen Ruhe- und Orientierungspunkt für das Auge“ bilde.

Der Streit zog sich noch bis in den Sommer 1908 hin und schlussendlich wurde der Abriss des Gotteshauses am 7. Juli durchgeführt.

Für lediglich 95 Mark rissen zwei Abbruchunternehmen die Kirche ab.

Das geborgene Holz wurde anschließend zum Verkauf angeboten.

Von Kirche und Spital ist also nur der Name "Spittel" im Gedächtnis der Jenenser übrig geblieben.

Am Spittelplatz befand sich auch die Hartungsche Schneidemühle, eines der drei Sägewerke in Jena.

Die Mühle lag direkt an der Lache.

Als man die Lache 1938 zuschüttete, wurde das Mühlhaus mit dem sechs Meter breiten Mühlrad abgerissen.

Neben der Schneidemühle befand sich eine kleine Besonderheit der Jenaer Gastronomie - der Kaffeetempel.

Er wurde auf Antrag des "Vereins gegen den Missbrauch geistiger Getränke" gebaut und am 1. Oktober 1911 fertiggestellt.

Er diente erfolglos dem Zwecke, die unteren sozialen Schichten vom Branntwein fernzuhalten.

Zu DDR Zeiten eine bessere Imbissbude, musste der Kaffeetempel 1982 dem Gebäude des späteren Werkreiskommandos weichen.

Da den Jenensern aber der Kaffeegenuss sehr wichtig war, wurde in dem Gebäude, auf Weisung der SED Kreisleitung, das "Café Melange" eingerichtet.